Fast - Tauchunfall in Hemmoor

Dieses Thema im Forum "Tauchunfälle" wurde erstellt von Ostseetaucher, 9. August 2016.

  1. Ostseetaucher

    Ostseetaucher Mitglied

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    Ich war selbst Beteiligter bei einem Tauchunfall in Hemmoor, der Gott sei dank glimpflich abging. In der Juliausgabe der Zeitschrift Tauchen ist er veröffentlicht worden.
    Zum Dank gabs eine Taucheruhr von Chris Benz.

    Mein Buddy wollte unbedingt zum Rüttler auf 30 m. Da ich wußte, daß er mehr Luft verbraucht als ich gab ich ihm meine M 15. Wir tauchten zusammen ab und waren jederzeit für den anderen erreichbar. Plötzlich auf 30 m. zeigte er mir sein Fini, daß nur noch 50 bar anzeigte. meines 130 mit meiner M12.
    Einen Abblaser konnte ich nicht registrieren. Ich gab ihm meinen Octopus und das Zeichen zum langsamen auftauchen. Er gab das Ok Zeichen. Plötzlich riss er sich los und stieg auf. Ich sah nur noch aufgewirbelten Schlick. Nachdem ich auch auftauchte unter Berücksichtigung des Sicherheitstops auf 5 m. traf ich ihn an der Oberfläche wieder. Er gab an Panik bekommen zu haben. Allerdings stieg er kontrolliert auf bis zum letzten Liter Luft. Er selbst hatte 89 Tauchgänge und war brevetierter Rescuediver. Sein Verhalten konnte er nicht so richtig erklären.
     
  2. Wizard

    Wizard Mitglied

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    Da stellen sich mir doch zwei Fragen:
    - ist sein Luftverbrauch wirklich so hoch das er auf 50bar runter war? Das müsste ja bei anderen Tg auch so sein, auch bei weniger Tiefe. Oder lag doch ein Defekt vor? Konnte das im Nachgang geklärt werden?
    - Konntest du irgendwelche Anhaltpunkte erkennen die die Panik ausgelöst haben? Ich kann mir nicht vorstellen wie man als einigermaßen geübter Taucher in einer eigentlich beherrschten Situation so reagieren kann. Auf der anderen Seite kann man relativ oft ähnliche Sachen lesen....

    Was würdest du das nächste mal anders machen?
     
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  3. GBR_Dream

    GBR_Dream Neues Mitglied

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    Ich denke die Panik hatte etwas mit der Tiefe zu tun. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein kleiner Gedanke, wie "wir sind 30m tief, reicht der Sauerstoff?!" ausreicht um schnellstmöglich nach oben zu wollen. Eine Art Überlebensinstinkt?

    Gut dass alle unversehrt blieben. Wie hast du dich eigentlich gefühlt als du aufstiegst, immerhin wusstest du ja nicht wo er steckt und was mit ihm los ist...

    LG Jessi
     
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  4. Ostseetaucher

    Ostseetaucher Mitglied

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    Die Situation war schon sehr eigenartig. Wir tauchten Seite an Seite mit ca. 1 m Abstand, so daß ich ihn jederzeit erreichen konnte. Es war sein Wunsch zum Rüttler runter auf 30 m. Er ist ausgebildeter Rescuediver mit knapp 90 Tauchgängen derzeit. Vorsichtshalber gab ich ihm daher meine M15. Nur einen Abblaser konnte ich nicht registrieren. Er zeigte mir ja ganz locker, bei 30 m. , daß er nur noch übner 50 bar verfügte. War schon seltsam. Ich selbst hatte auf meiner M 12 noch 129 bar. Ich gab ihm ja meinen Octopus und zeigte ihm, daß wir noch genügend Luftreserve hatten. Warum er sich los riss, konnte er nachher auch nicht beantworten. Panikattacke wohl. Wir waren ja beide froh, daß nichts passiert ist. Wie ich aufstieg, hatte ich schon ein echt beschissenes Gefühl...........

    Das nächste Mal anders machen? Gute Frage. Vielleicht in einem dunklen See mal auf 20 M gehen..... Aber irgendwie alles spekulativ..
     
  5. Spiczek

    Spiczek Mitglied

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    Hallo Ostsseetaucher,

    ohne dir und/ oder deinem Buddy zu nahe treten zu wollen, ich kenne euch ja nicht! Aber dein Beispiel zeigt wieder mal nur, dass die Ausbildung oft nur dem Profit unterstellt ist. Ein Rescuediver sollte aufgrund der Ausbildung in der Lage sein, jemanden retten zu können. Heißt, derjenige sollte tauchen können und vor allem nicht mehr mit sich selbst zu tun zu haben. Mit 90Tg doch eher unwahrscheinlich. Ein erfahrener Taucher kann sowas vorher einschätzen, und hätte selbst an einem schlechten Tag nicht solch einen immensen Luftverbrauch.
    Ich meine das absolut nicht persönlich oder gar böse! Nur Stelle ich mir gerade Jessi (GBR_Dream) als blutigen Anfänger mit einem Rescuediver vor. Durch ihre Ausbildung und Eigenrecherche weiß sie, was ein Rescuediver ist. Nun geht sie mit so jemandem ins Wasser und hat ein Problem, wie sie ein Anfänger nun mal hat. Wenn da jetzt ein Rescuediver mit 100Tg ist, der meint er kann das ja, kann das für sie oder auch für beide böse ins Auge gehen!

    Ich hoffe, es ist rüber gekommen, was ich sagen wollte.

    Grüße
     
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  6. Wizard

    Wizard Mitglied

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    ...und Rescue-Diver mit 90 Tg sind ja schon die positive Ausnahme.
    Ich kenne welche mit weniger als 40 Tg....
     
  7. GBR_Dream

    GBR_Dream Neues Mitglied

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    Abend Spiczek!

    Da muss ich dir Recht geben. Ein Rescuediver - zu deutsch Rettungstaucher - sollte seinem Namen gerecht werden. Dank meiner Recherche weiß ich jetzt zum Glück, dass "Titel" nicht gleich den Fähigkeitsgrad darstellen müssen. Soll sich bitte keiner angegriffen fühlen. Vertrauen muss ich dem "Profi" als Laie sowieso, doch auch als Laie kann man (denke ich mir) auf der Hut sein. Und das werde ich bei jedem Tauchgang versuchen zu sein. Hoffentlich gerät keiner von uns in eine Situation "die böse ins Auge geht"! :)

    Einen schönen Abend allen!
    Jessi
     
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  8. dagobert

    dagobert Mitglied

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    Mich würde interessieren wie man es schafft auf 30m zu kommen und dann feststellt das noch 50bar auf der Kanne sind.
    Was wurde im Briefing ausgemacht ? je nach dem wie es war wäre das ein Buddy den ich lieber ablehne (kenne sie beide nicht und kann daher nicht sagen wie ich reagiere). Mit der Brevertierung sollte man schon wissen wie man Stresssituationen vermeidet und die hätte bei frühzeitiger Umkehr vermeiden können z.b. durch gegenseitige Finikontrolle (spricht ja nichts gegen das der Gruppenführer auch mal nach der Luft gefragt wird mir auch schon bei Anfängern passiert :)) . Das die ganzen plastikkärtchen eigentlich nur kommerz sind, sollte doch auch jedem klar sein. Man schaue sich nur mal an was man alles brevertiert bekommen kann shark diver multilevel diver usw.
    Deweiteren steht und fällt die Ausbildung mit dem TL. Desweitern sollte man auch nicht vergessen das es auch taucher gibt die der Meinung sind das sie die unsterblichkeit gepahtet haben und sich ausserhalb ihrer Fähigeiten bewegen und davon gibt leider mehr als genug.
    Ich denke aber mal das GBD Dream aus dem TG was gelehrt hat nämlich sich nicht blind auf andere zu verlassen.
     
  9. Ostseetaucher

    Ostseetaucher Mitglied

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    Es wurde ein Briefing gemacht und wir tauchten in Tuchfühlung auf 20 m. Dort langsam ab auf 30m. Wieso er auf einmal nur 50bar auf der Flasche hatte, entzieht sich meiner Kenntnis. Vorher waren wir schon in dunklen kalten Seen tauchen. Wenn auch nicht so tief. Gerade weil wir auf Tuchfühlung tauchten ist Gott sei dank alles glimpflich abgegangen. Ich hatte mit ihm schon einige Tauchgänge zuvor bei uns in der Ostsee gemacht auch in Strömungen hatte er sich bewährt. Eine gegenseitige Finikontrolle machen wir grundsätzlich, aber hier ging es um wenige Minuten. Beim Abstieg ist man ruckzuck auf 20m. und läßt sich dann auf 30 m fallen. Jeder der Hemmoor kennt, weiß, wie man da zum Rüttler runtertaucht. Aber egal wie. Seitdem habe ich nicht mehr mit ihm getaucht. Das Risiko erschien mir zu hoch.
     
  10. dagobert

    dagobert Mitglied

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    Interessant wäre nun was gebrieft (Umkehrdruck usw) wurde wann wurde das letzte mal das Fini kontrolliert. Wie lang war der TG bis zur Ziel Tiefe.
    Muss ja irgend einen Grund haben wenn man sich mal eben 2250 Liter weg haut (15l Flasche und restdruck 50 bar). war eventuell die Flasche nicht voll 200 BAr oder blies iregnd etwas ab. ich kann mir sonst so einen Luftverbraucht nicht erklären.
     
  11. Ostseetaucher

    Ostseetaucher Mitglied

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    Moin Dagobert, Fini wurde vor dem abtauchen kontrolliert, Die Länge des Tauchganges auf 20m ca. 5 min. Dort verweilten wir etwas ca. 5 min. Dort hatten wir beide noch 160 auf der Flasche. Weitere 3 min gingen drauf bis zur Tiefe von 30 m. Hier waren wir 1-2 min. Ich hatt noch 130 bar auf meinem Fini. Wir haben beide bis heute keine Erklärung wo die Luft blieb. Tauchgangsbesprechung, Buddycheck sind unerläßlich. Wir haben bzw. wenn wir in Dänemark tief tauchen mit sehr heftigen Strömungen zu kämpfen, so daß auch schon mal Tauchgänge abgebrochen werden mußten. Der Sicherheitsaspekt steht immer an erster Stelle.
     
  12. Aquana

    Aquana Mitglied

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    Hallo,
    hm, sehr seltsam. Meine Vermutung wäre sonst gewesen, dass die Flasche am Anfang nicht ganz voll gewesen ist, aber wenn auch das kontrolliert wurde, fällt es ja weg.
    Aber bei der Luftmenge hätte der Automat schon ordentlich abblasen müssen, nicht nur ein paar Bläschen aufgrund eines Sandkorns o.ä.. Das hätte man mit Sicherheit gemerkt.
    Das einzige, was mir noch einfallen würde, wäre ein Ablesefehler oder eine nicht voll aufgedrehte Flasche, wodurch sich der Zeiger bewegt hätte. Dann hätte man es aber an der Oberfläche festgestellt.

    Was man ändern könnte? Noch öfter aufs Fini gucken, noch öfter den Flaschendruck abfragen? Ganz ehrlich, jemanden mit diesem Erfahrungsstand frage ich nicht alle 5min. wie viel Luft er noch hat. Eigentlich sollte man es dann ja auch abschätzen können, aber mit einer solchen Abweichung war ja wirklich nicht zu rechnen.
     
  13. Spiczek

    Spiczek Mitglied

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    Zusatzfrage. Wurde nach dem TG der Flaschendruck erneut ermittelt? Vllt ist auch beim Fini ne Macke?

    Grüße
     
  14. dagobert

    dagobert Mitglied

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    Wurde die Aussrüstung danach mal kontrolliert ob dort irgendwas nicht ok war z.b. fini. wenn man sich das so überlegt muss der doch in einem Meer von Bubbels untergegangen sein selbst wenn er das ganze veratmet hat. Sieht mir fasst nach hyperventilation aus.
     

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